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Des Rätzels Lösung ist das LEBEN!

Zuerst geht es auf allen Vieren, dann erhebt sich der Mensch und läuft auf zwei Beinen, um am Ende seines Lebens für diesen aufrechten Gang einen Gehstock zu gebrauchen, was auf der Lebensspur drei Abdrücke hinterlässt. 4 – 2 – 3.
Für das Leben des Motorradfahrers bedeutet dieses, dass Du zuerst im Automobil herum gefahren wirst, um dann als Erwachsener artgerecht auf dem Motorrad unterwegs zu sein. Am Ende sitzt Du sicher auf dem Gespann und genießt den stürmischen Wind um die Nase, die Vibrationen im Hintern und die erfrischende Freiheit des Lebens.

Unser neues Spendenbuch ist erschienen:
Holger Janke, „Luther-Tour“, Highlights-Verlag, ISBN 978-3-933385-84-0.
Vgl.
http://www.evangelische-zeitung.de/nachrichten/top-thema/news-detail-top-thema/nachricht/mit-dem-motorrad-auf-luthers-spuren.html

Back To The Roots:

Meine Alte

Ich weiß auch nicht genau warum, aber plötzlich stand ich in diesem exklusiven Etablissement. Zugegebenermaßen war es mir nicht verborgen geblieben, dass es soetwas gibt. Immerhin bin ich ein moderner Mensch. Ich wußte schon, dass es hier an Ort und Stelle diese Angebote gibt. Mehrmals war ich hier schon vorbeigefahren, hatte wahrgenommen, wieviel hier tagtäglich los ist. Stets war der hauseigene Parkplatz gut besucht. Aber ich fuhr eben nur vorbei, registrierte – mehr unterbewußt – diesen Laden und hielt nicht an. Jetzt stand ich also mittendrin und auch mein Fahrzeug draußen vor der Tür. Ein komisches Gefühl. Irgendwie eine Mischung aus peinlich und schön, verrückt und angenehm.
Unsicher ließ ich meine Blicke schweifen und hoffte, dass man mir meine Unsicherheit nicht anmerkte. Ich kam mir vor wie in meiner Jugend. Überall standen aufreizend diese jungen Dinger und zogen meinen Blick förmlich an. Plötzlich krachte es, weil ich gegen eine große Palme lief, deren Topf das Foyer dekorierte und nun von mir angerempelt wurde. „Guckst du blöd, fährst du blöd!“ dachte ich mit plötzlicher Errötung des erhitzten Kopfes, der aber schnell wieder abschwoll, weil niemand Notiz von meinem Auffahrunfall nahm. Der Betrieb lief still, aber achtsam weiter und wirkte allein dadurch schon sehr professionell.
Nun schlenderte ich durch das Haus und versuchte ebenfalls professionell zu sein. Tatsächlich konnte ich auch weitere Unfälle verhindern, aber meine Blicke wußten gar nicht wohin, denn überall entdeckte ich aufgemotzte Schönheiten. Welche ein Taille? Dann dieses runde Heck! Völlig aus der Fassung kickten mich diese frei zur Schau gestellten runden Tüten. Auch ohne häusliche Karambolage pulsierte mein Blut Anbetracht der Freizügigkeit dieser Jungfräulichkeiten. Das läßt keinen Mann unberührt, egal welchen Alters. Plötzlich fühlte ich mich wieder jung und stark, merkte nichts von Magenbeschwerden oder Gliederschmerz, die sich sonst zum Alltag gesellten. Ein schöner Augenblick. Dann hörte ich eine bassige, sonore Stimme: Wir nehmen auch ihr Alte!
Mich durchfuhr ein Blitz. Ich fühlte mich einerseits in meinen Jugendgefühlen ertappt, anderseits überschlugen sich meine Gedanken bei dem Hinweis, dass zu Hause meine Alte wartete. Fragen über Fragen türmten sich auf. Woher weiß dieser gegelte Herr hier im Geschäft, dass ich liiert bin? Wie kommt er darauf, dass ich meine Alte loswerden möchte? Bin ich noch normal? Werde ich jetzt alt? Verliere ich garade meine Bodenhaftung? Verzocke ich gerade Haus, Hof und Ruf? Ich stand regungslos stumm da, aber in mir rasten die Gedanken und Gefühle mit dem Versuch, neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Ich wußte gar nicht, wie mir geschah.
Meine Alte. Das gute Stück. Die treue Seele. Ewige Treue habe ich ihr damals geschworen. Mann, war ich verliebt! Was haben wir nicht alles miteinander erlebt. Die Jahre vergingen und die gemeinsame Strecke führte uns über Berg und Tal durch Sturm und Hitze. Das kann uns keiner mehr nehmen – und das wiederholt sich auch nie wieder. Zugegeben mit den Jahren hat sie sich verändert. Hat Patina angesetzt. Wir harmonieren aber immer noch gut und sind ein super eingespieltes Team.
Als ich nun aus dem Laden schlich und wieder im Auto saß, dachte ich: Was hast Du gemacht? Ich hielt einen Kaufvertrag in meiner Hand! Zur Ablenkung wiederholte ich mantramäßig die Worte des Verkäufers: Der Trend geht klar zum Zweitmotorrad. So fuhr ich heim. Zu Hause angekommen, dauert es nicht lange und ich gestand meiner Liebsten, was geschehen ist. Meine Frau blieb ganz ruhig und sagte nur: Lieber zwei Motorräder und eine Frau als umgekehrt. Habe ich nicht eine weise Frau? Ich liebe sie!