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Oktopussy

Es ist Sommer. Ich fahre mit meinem Motorrad an eine rote Ampel. Atmosphäre wie beim Grand Prix von Monaco. Startgerangel inmitten der Stadt. Ich artgerecht auf der linken Spur, das dicke Auto neben mir auf der rechten. Die Bahn vor uns ist frei. Nur das Rotlichtmilieu hemmt uns! Aus dem offnen Fenster ascht der Autopilot seine brennende Zigarette ab. Ich bin erinnert an den legendären Barry Sheene, der auch stets am Start, unmittelbar vor dem Rennen, eine Zigarette rauchte. Sein Integralhelm hatte deswegen ein Loch unter dem Visier. Die Last-Minute-Kippe: sein Markenzeichen! Ich rauche nicht und lebe noch. Das ist der Unterschied. Ansonsten fühle ich mich wie Barry. Gerne würde auch ich so genial und locker das Zweirad beherrschen.

Der Autofahrer lächelt mir freundlich zu. Beugt sich leicht vor und fummelt am Cockpit. Musik ertönt. Sie ist so laut, dass sie locker meinen Auspuff übertönt. Ich schätze knapp 100 Phon. Schmerzgrenze! Dann hebt er noch einen coffee to go in meine Richtung und prostet mir zu. Der Typ ist wirklich locker drauf. Nun bin ich auf sein Startverhalten gespannt? Eigentlich bemitleide ich ihn! Es lacht wunderbare Sommerfrische: warm, aber nicht heiß. Ideale Rennbedingungen und er sitzt in seiner Blechdose. Nur ein kleines offenes Fenster. Keine Spur vom echten Fahrtwind. Das ist doch keine artgerechte Haltung! Ich frage mich, wie kann Gott das zulassen? Außerdem hat er nur zwei Arme, könnte aber acht gebrauchen. „Oktopussy!“ ruf ich ihm ebenfalls freundlich lächelnd zu, aber er versteht nichts.

Warum hat der liebe Gott uns Menschen nicht acht Arme geschenkt? Ohne Probleme könnten wir dann sicher am Verkehr teilnehmen, weil wir stets zwei Hände am Lenkrad hielten. Dazu noch eine Hand für die Zigarette und die andere für den Kaffeebecher. Weiteres Handgemenge im Auto wäre ohne Sicherheitseinbußen möglich, wie zum Beispiel Musikwahl im Radio oder die Neuauswahl der CD. Selbst für die Beifahrerin hätte man noch eine Hand frei und könnte Ihr – ganz Kavalier – beim Suchen behilflich sein und die Handtasche halten. Auch die Wünsche der Kleinen von der Rückbank könnte ein guter Vater sofort erfüllen. Bei alledem wäre immer noch eine Hand frei, um den Aschenbecher in der Konsole zu öffnen, damit ein Mann des 21. Jahrhunderts nicht primitiv die Zigarette aus dem Fenster aschen muss. Ja, Oktopussy müsste man sein!

Die Vorstellung von acht Armen gefällt mir. Auch an den modernen Motorrädern mit einstellbaren teilintegralem (Kurven-)ABS, elektonischen ESA-Fahrwerk, Radio und Griffheizung ist man mit zwei Händen völlig unterversorgt. Aber selbst beim Klassiker auf zwei Rädern scheinen zwei Hände oft nicht genug. Allein die Tatsache, dass ich als Oktopussy nicht mehr mit einer Hand Gasgeben und Bremsen müsste, sondern getrennt voneinander, beides feinfühlig händeln könnte. Auch beim Enduro könnte ich beherzter durch´s Gelände flügen, da zwei Hände stets die Lenkstange gut im Griff hätten. Und sollte mir der Schalthebel wieder einmal die Bolzerei in der Natur krumm nehmen, wäre ohne Probleme gleich eine Hand frei, um die Sache wieder geradezubiegen. Dazu könnte ich mir glatt noch – voll in Fahrt – ein Getränk meiner Wahl mit einer Hand aus dem Rucksack holen. Lieber Gott, ich frage mich: Warum nur zwei Arme?

Lautes Hupen lässt meinen Traum platzen. Neben mir quietschen und qualmen die Reifen. Gerade erwacht, versucht meine aufgescheuchte rudimentäre leibliche Beschaffenheit den Bock zu beschleunigen. Oktopussy fährt vor mir und ist nicht mehr einzuholen. Er schafft die „gelbe Phase“ der nächsten Ampel und gerät außer Sichtweite. Bestimmt genießt er jetzt siegreich einen coffee to race. Ich stehe wieder im Rotlichtmilieu der Stadt, und nur meine Gedanken haben freien Lauf. Warum ist der Mensch, wie er ist? Plötzlich überfällt mich das alte Psalmwort: „Du verstehst mein Gedanken von ferne“ und ich habe das Gefühl einer Götterdämmerung; Gott sieht mich und ruft mir zu: Pass auf, Oktopussy, und versau´ den Start nicht wieder! Dann springt die Ampel um, und ich starte beherzt in die Sommerfrische. Perfekt! Ich lache und rufe laut unter meinem Helm: Platz da, hier kommt Barry Oktopussy Sheene!

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Der MOGO ist tot. Es leben die Mogos!
– Ein Nachruf –

Der MOGO war ein „Motorradgottesdienst“ in Hamburg, der Anfang der 1980er klein begonnen hatte, dann auf einzigartige 40.000 Besucher:innen anwuchs, um dann wieder klein zu enden. Am 30.11.2024 wurde der bundesweit bekannte MOGO in Hamburg nach vierzig Jahren eingestellt.

Entstanden ist dieser Gottesdienst durch den Polizeiseelsorger Hinze, der in den wilden Achtzigern eine Brücke zwischen der Polizei und den „Rockern“ auf Zweirädern in der Hansestadt bauen wollte. Ein Projekt des Kennenlernens und des Miteinanders! Es hat gut funktioniert. Als Ende der 1990er Jahre Pastor Hinze sein Amt an Pastor Faehling übergab, hatte der MOGO 10.000 Stammkund:innen, und ein Konvoi von Biker:innen fuhr quer durch Hamburg, um für ein gutes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer:innen zu demonstrieren.

Der neue Pastor gründete mit Ehrenamtlichen einen Verein zur Organisation der kirchlichen Großveranstaltung und die fast 400 Helfer:innen bildeten eine eigene MOGO-Gemeinde. Ein professionelles Büro wurde eingerichtet und das Seelsorge-Projekt Bikers Helpline ging zu der Zeit in Planung: die Blütezeit des MOGO. Anfang des Milleniums kamen 40.000 Biker:innen aus ganz Europa nach Hamburg; die weiteste Anfahrt hatte ein Bikerpastor aus Südafrika. Unterstützt wurde auch das Projekt einer Bikerbibel als christliche Begleitung für unterwegs. Die Städtepartnerschaft mit St. Petersburg blüte und jährlich besuchten uns russische Christ:innen mit den Motorrädern oder wir trafen uns zur gemeinsamen Tour in Russland. Ein sehr großes Netzwerk war entstanden und die Brücke des Kennenlernens und Miteinanders reichte weiter als ehemals gedacht.

2014 hörte Pastor Faehling auf und ein jüngerer, qualifizierter und erfahrener Nachfolger stand am Start. Leider hat die Kirchenleitung diese Besetzung seinerzeit verhindert und allen Beteiligten wurde damals klar, dass der MOGO nicht in der Amtskirche gewollt war. Danach beginnen die Wirren: Die Angestellten im Büro werden entlassen, Hunderte von Helfer:innen verlassen enttäuscht „ihren“ MOGO und auch die Seelsorge-Einrichtung Bikers Helpline macht sich selbständig.

Nach mehreren Vakanzvertretungen wurde Pastor Lemke von der Amtskirche zur Verwaltung des MOGO eingesetzt. Eingeweihte sprachen vom „Nachlassverwalter“, der nun allein im Büro saß und einen neuen Stamm von Helfer:innen sammelte. Derweil nahmen Jahr für Jahr die Besucherzahlen und die Sponsoren rapide ab. Der NDR berichtete am Ende in den Medien von „einigen Hundert“ Besucher:innen. Somit war es nicht überraschend als Pastor Lemke den MOGO verließ. Der letzte MOGO 2024 wurde von einem unbekannten Pastor aus Lübeck begleitet. Das Engagement der Ehrenamtlichen lief abermals ins Leere. Nun ist der MOGO Hamburg tot.

Da der MOGO einzigartig, aber nicht der einzige Motorradgottesdienst war, können alle christlichen Biker:innen hoffen, auch weiterhin segensreiche Mogos erleben zu können. Überall im Land gibt es Motorrad begeisterte Christinnen und Christen, die vor Ort zu tollen, authentischen Treffen einladen. Da Motorradfahren in der Großstadt eh nicht soviel Spaß macht, winkt nun ein beseelter Ausflug ins Grüne, um sich auch in Zukunft inspirieren zu lassen durch nette, engagierte Menschen – und hoffentlich gleichzeitig durch den Frieden stiftenden Geist Gottes. Es leben die Mogos!

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„Haste mal ´ne Spende?“

Allein die Tatsache, dass Bikers Helpline e.V. eine Internetseite pflegt und einen telefonischen Notdienst organisiert, verursacht Kosten, die uns in Rechnung gestellt werden. Auch die Geschäftsstelle braucht Licht, Heizung, Telefon, Computer usw. Alles selbstverständlich für eine verlässliche Arbeit, aber ebenso selbstverständlich, dass der Verein dafür auch zahlen muss. Seit 20 Jahren sind wir aktiv und immer haben uns die Spenden von Klubs und Privatpersonen oder die gesammelten Kollekten von Gottesdiensten über die Zeit geholfen. Wir bekommen leider keine finanzielle Unterstützung von der Landeskirche, da wir bundesweit helfen.
Da wir allesamt im Team ehrenamtlich arbeiten, benötigen wir keine Personalkosten, was unser Budget übersichtlich und uns sehr flexibel macht.  Wie andere Vereine und Initiativen benötigen allerdings auch wir finanzielle Unterstützung und bitten deshalb um eine Spende. DANKE!

Unser Spendenkonto lautet:
Bikers Helpline e.V.
IBAN: DE35 2008 0000 0651 4133 00
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„Unterwegs im Namen des Herrn“