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Frühlingsgefühle

Leute, Leute! Selbst mit verbundenen Augen könnte ich sagen, dass der Frühling kommt! Warum? Eine komplett paradoxe Gefühlswelt beherrscht die Szene. Und ich muss gestehen, mich hat es wohl auch erwischt. Wie nach einer langen winterlichen Inkubationszeit bricht jetzt der Virus aus und die Frühlingsgefühle sind nicht mehr zu bändigen. Bin ich krank? Gerade lief ich noch auf der Motorradmesse umher und dachte, ich sei gesund. Outdoor schneite es und ich vergnügte mich mit Kumpels indoor an Motorrädern, Musik und Mädels. Ich dachte, ich hätte alles im Griff. Dann kam die Rechnung für die Krad-Versicherung und ich habe mich riesig darüber gefreut. „Oh Gott“, dachte ich, „jetzt wirst Du aber merkwürdig!“ Diese Rechnung war – gefühlt – ein echter Frühlingsbote und der sichere Hinweis, dass die Saison endlich wieder durchstartet. Mit einem fetten Grinsen überwies ich den geforderten Betrag und war glücklich.

Noch auf der Messe im Benzingespräch mit den Kumpels posaunte ich heraus, dass ich total zufrieden sei mit meinem Hobel. Sollen sich doch die anderen die neuen Dinger oder eine gute Alte kaufen! Mir reicht mein gewohntes Zweirad, dass treu über Winter auf mich gewartet hat und sofort ansprang als es mich sah. Wäre es ein Hund, hätte es noch mit dem Schwanz gewedelt.

Dann sah ich plötzlich die Anzeige im Internet und konnte danach nicht mehr richtig schlafen. „Ich glaube, ich träume.“, dachte ich, aber eine Nacht mit wenig Schlaf war die Realität. Irgendwie wuchs in mir heimlich der Gedanke, dort einmal anzurufen, um ein wenig mehr Informationen zu bekommen. Gesagt, getan. Danach war der Frühling nicht mehr zu halten, denn ich fuhr fort, um das „Traumbike meiner Jugend“ in Augenschein zu nehmen. „Nur mal Gucken“ darf man ja wohl, oder? Als das Gefährt dann allerdings vor mir stand, der Zustand und der Preis unwiderstehlich waren, nahm das ganze Geschehen seinen Lauf. Ich mach es kurz: Gekauft! „Völlig paradox. Du bist nicht ganz bei Sinnen“, schrie meine Vernunft. „Lass sie schreien!“, beruhigte mich mein Gefühl. Damit war klar, die Krankheit hat auch mich erwischt. Der Frühling hat mich voll im Griff.

Ist es nicht paradox, dass ich mich über eine Rechnung freue? Ist es nicht merkwürdig, dass ich mir zuerst sicher bin, meiner Alten treu zu bleiben, und dann erfülle ich mir kurze Zeit später einen Jugendtraum? Sind wir nicht alle ein wenig „unvernünftig“, weil wir lieber bei Wind und Regen auf dem Bock sitzen, während der normale Bürger in einer geheizten Klimakabine durch die Natur rollt? Mir scheint, dass ich nicht der einzige bin, der von diesem Frühlingsvirus gemartert wird. Eine Epidemie? Eine befreundete Ärztin diagnostizierte bei mir „Normalität – mit stark virulentem Frühlingserwachen“. Das befällt zur Zeit besonders die Motorradfahrer, erklärte sie. Ich verließ die Praxis mit der paradoxen Erkenntnis: „Ich bin ganz normal verrückt.“

Leute, Leute! Macht die Augen auf! Der Frühling ist da. Die Freude ist riesengroß. Genieße dein Zwei- oder Dreirad, egal ob alt oder neu. Lass es ruhig angehen, denn die Frühlingsgefühle können ganz schöne Verwirrungen anstiften. Mache dir klar, wie viele Bikes du zum Leben brauchst – am besten auf einen Zettel schreiben und an den Badezimmerspiegel hängen (Selbstsuggestion). Überweise mit Freuden die Versicherung für die Saison und tanke mit Wollust den neuen Kraftstoff. Tipp meiner Ärztin: „Gegen den paradoxen Frühlingsvirus hilft nur die Zeit – und homöopathische Runden mit dem Bock.“ Gute Genesung!

Tue etwas Gutes und lese!

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