Aktuelles

Interview mit Davide von Zitzewitz

Holger: Du bist 2017 Deutscher Meister geworden im Moto Cross. War das Dein Ziel für die Saison?
Davide: Eigentlich nicht (er lächelt)! Ich hatte in der Saison-Vorbereitung gehofft, dass ich ein paar Motocross-Rennen fahren kann und als es dann kurz vorm Start der Saison zur Enduro-Meisterschaft so aussah, als ob es möglich sei, noch eine komplette MX2 DM zu fahren, habe ich versucht, mich ein bisschen darauf vorzubereiten. Dass es dann so gut läuft und ich sogar die Enduro-Meisterschaft dafür riskieren würde, hätte ich nicht gedacht.

Holger: Du warst 2015 und 2016 Deutscher Meister im Enduro. Worin liegt der Unterschied zum Moto Cross?
Davide: Ich mache gerne den Vergleich zur Formel1 und der WRC, nichts anderes ist der Unterschied zwischen MX und Enduro. Beim Enduro dauert eine Runde wesentlich länger (manchmal über 50 Kilometer) und man hat nur bestimmte Wertungsprüfungen, auf denen man alles geben muss. Auch ein Unterschied ist, dass man vor einem Rennen sich die Strecke nur zu Fuß ansehen darf und man dann gleich, wenn man das erste mal die Strecke mit dem Motorrad fährt, Vollgas fahren muss. Beim MX ist eine Runde zwischen 1,5-2,5 km lang, und es kann im freien Training vorher und im Zeittraining noch trainiert werden, bevor es an die offiziellen Rennen geht.

Holger: Dein Opa, Dein Onkel und auch Dein Vater waren ebenfalls Deutscher Meister im Enduro. Aber keiner hat´s im Moto Cross geschafft. Hast Du sie jetzt alle „übersprungen“?
Davide: Ja, so kann man das sagen (er schmunzelt)! Natürlich habe ich riesigen Respekt vor der Leistung, die Opa, Papa und mein Onkel damals gezeigt haben. Trotzdem bin ich sehr stolz, dass ich was habe, was sie nicht haben (er grinst)!

Holger: Wie viele Stunden in der Woche trainierst Du, schraubst Du und fährst zu den Wettkämpfen?
Davide: Puh, das ist schwer zu sagen. Wenn ich viel für die Uni zu tun haben, wird mir sehr gut unter die Arme gegriffen, ansonsten muss ich alles selbst machen. Ich versuche, 6 Tage die Wochen zwischen 1-3 Stunden am Tag zu trainieren. Das geht dann von Lauftraining über Fahrradtraining bis zu Fitnessstudio und Moped fahren. Den Aufwand des Schraubens kann ich so pauschal gar nicht sagen. Aber pro Training muss man, denke ich, mindestens 1 Stunde Werkstatt rechnen, im Winter eher mehr. Von März-November bestreiten wir jedes Jahr zwischen 15-22 Rennen. Bei den Enduro-Veranstaltungen muss man natürlich die Streckenbegehung rechnen. Da gehen 2-3 Tage zusätzlich drauf. Also reise ich meistens schon mittwochs an, wenn das Rennen am Wochenende stattfindet. Beim MX geht es immer freitags Richtung Rennen.

Holger: Hast Du Dir schon einmal weh getan? Blieben die Knochen heil?
Davide: Ich habe mit leider in den Jahren vier Mal das Schlüsselbein gebrochen und mehrfach den Arm ausgekugelt.

Holger: Hast Du keine Angst, Sportinvalide zu werden? Ist es das wert?
Davide: Wenn ich zurückschaue, sehe ich nicht meine Verletzungen, sondern auf das, was ich erreicht habe. Bis jetzt geht es mir sehr gut und ich hoffe und denke, dass ich weiterhin auch mit einer Portion Verstand unterwegs sein werde und dann alles glatt gehen wird.

Holger: Du bist ein Profi. Verdienst Du Geld mit dem Sport oder wie finanzierst Du Deine Einsätze?
Davide: Ich würde mich als Semi-Profi betrachten. Ich kann meine Kosten mit Sponsoren weitgehend decken und habe am Jahresende noch etwas Geld in der Tasche, wenn ich gut gefahren bin. Aber leben, könnte ich davon nicht! Ich wohne z.B. noch zuhause. Wenn ich überlege, dass ich davon Miete und andere Lebenshaltungskosten zahlen müsste, würde es sich gar nicht rechnen. National geht es eher um Ruhm und Ehre!

Holger: Was sagt eigentlich Deine Mutter zu Deinen Aktivitäten?
Davide: Ihr wäre es lieber, wenn ich Schach spielen würde. Oder Reiten (er lacht). Das ist ihre große Leidenschaft.

Holger: Weiß Deine Mutter, dass die Air-Bag-Westen für Motorradfahrer von Helite ursprünglich aus dem Pferdesport kommen? Pferdesport scheint nicht weniger gefährlich zu sein als das Zweirad. Ist nicht Motorradfahren wie Reiten? Sind wir nicht die modernen Cowboys der Straße?
Davide: Ich glaube, das weiß sie nicht (und lacht). Aber ich denke, dass jeder bei seinem Hobby die Risiken hinten anstellt, und sich darauf konzentriert, Spass zu haben. Der Vergleich klingt schlüssig. Ich denke, dass wir den Reitern von damals in Sachen Lässigkeit auch in nichts nachstehen.

Holger: Wie siehst Du Deine Zukunft? Wie sollen wir uns Davide von Zitzewitz 2030 vorstellen?
Davide: 2030 ist noch ein Stück Zeit hin. Ich hoffe, ich habe dann alle meine weiteren Ziele erreicht und fahre nur noch ein bisschen als Hobby. Zu den Ziele zähle ich natürlich auch mein Studium zum Wirtschaftsingenieur.

Holger: Welche weiteren Ziele verheimlichst Du jetzt?
Davide: Ich denke, dass sind Ziele, die jeder Mann hat. Die brauche ich jetzt nicht weiter aufführen, oder (er zwinkert mir zu)!

Holger: Welchen Rat gibst Du einem Zweiradfahrer, der versucht, mit dem Motorrad offroad zu fahren?
Davide: Es ist wichtig, dass man Respekt hat und realisiert, wie schnell man fährt. Wenn man sich dem bewusst und ein aufmerksamer Fahrer ist, gibt es eigentlich nur zwei Tipps: Gas stabilisiert und man fährt dahin, wo man hin guckt.

Holger: Hast Du ein Lebensmotto?
Davide: Puh. Ich sage immer zu Leuten, die mir sagen, ich solle vorsichtiger fahren: Immer Vollgas! Ich denke, wenn man zügig unterwegs ist, dann hat man keine Zeit mit seinen Gedanken abzudriften und unkonzentriert zu werden. Ich habe mir meistens beim Herumalbern wehgetan und nicht in Wettkämpfen! Vielleicht ist das ja mein Motto: Immer Vollgas! Den Spruch habe ich von meinem Onkel und meinem Vater.

Holger: Und wie wir wissen, leben die noch, sind immer noch erfolgreich und sportlich aktiv.
Davide: Und den beiden geht es zum Glück bis dato prächtig.

Holger: Was wünscht Du Dir für das Jahr 2018?
Davide: Ich wünsche mir, dass ich alle meine Ziele erreiche und viel Spaß habe. Was ich mir für alle wünsche, die mit mir die Wettbewerbe -also mich eingeschlossen- bestreiten, ist, dass wir ein weiteres Jahr heil überstehen.

Holger: Viel Glück weiterhin und vielen Dank für das Gespräch!

 

Tue etwas Gutes und lese!

Unsere Spendenbücher:
„Jakobsweg“, Highlights-Verlag, ISBN 978-3-933385-56-7
„Luther-Tour“, Highlights-Verlag, ISBN 978-3-933385-84-0.